Wichtige Stationen

 

Am 28. Mai 2011 zeichnete Claudia Schülke in der FAZ von mir folgendes 'Frankfurter Gesicht', dem Sie schon mal das Wichtigste entnehmen können. Alles weitere auf dieser und den folgenden Seiten.

FRANKFURTER GESICHTER
Jochen Nix
Er tanzt gern auf mehreren Hochzeiten. Das verrät schon seine Website. Jochen Nix ist nicht nur der wunderbare Rezitator, als den ihn die Frankfurter Literaturfreunde kennen. Als Schauspieler hat er unter der Regie von Andrea Breth den alten Miller („Kabale und Liebe") in 'Freiburg gespielt, als Regisseur mit Ulrich Matthes die „Atemschaukel" von Herta Müller als Hörbuch aufgenommen. „Wer Regie führt, muss vor allem zuhören können", erläutert er im Gespräch. „Und als Schauspieler vor allem viel vom Leben gesehen haben." Das hatte ihm sein Lehrer Franz Kutschera einst an der Frankfurter Hochschule für Musik und darstellende Kunst beigebracht. Nix hat es stets beherzigt.
Schon als studentischer Straßenbahnschaffner hatte er den Frankfurter Alltag in sich aufgenommen. Ja, er kann sich sogar noch vage an einen Zug ohne Dach im Krieg erinnern. Dabei wurde er erst 1943 geboren: im Bethanien-Kranken-haus am Prüfling. 1949 siedelten die Eltern nach Heppenheim um, wo der Vater als Kripo-Beamter gegen den Schwarzmarkt vorging. 1953 kehrten sie nach Frankfurt zurück, weil es für das Familien-oberhaupt als Schriftsetzer bei der „Frankfurter Neuen Presse" nicht so gefährlich war. Nix war an der Bergstraße eingeschult worden und besuchte nun das Helmholtz Gymnasium, wo er sich mit den Naturwissenschaften plagte. Als die Mutter 1955 starb, schickte ihn sein Vater aufs Deutsche Gymnasium in Aschaffen-burg.
Dort bei den Jesuiten fühlte er sich zwar „kaserniert", lernte aber die Dichter kennen und lieben. Als Faust überzeugte er bei einer Schüleraufführung sogar seinen Mathe-Lehrer. Nach zwei Jahren Militärdienst, bei dem er sein eigenes Aggressionspotential kennen-und fürchten lernte, studierte er an der Frankfurter Universität Germanistik, Philosophie und Geschichte, wechselte aber nach vier Semestern an die Schauspielschule.
Ausgerechnet 1968 zog Nix in die Theaterprovinz: In Tübingen, Bonn, Wuppertal, Essen, Freiburg und Ulm war er fest engagiert. 1991 machte er einen Schnitt, weil ihn die Kombination „Stimme und Text" faszinierte. Seitdem arbeitet, er in Frankfurt als freier Sprecher und Regisseur für den Funk. Nach einem Gastauftritt als Lessings Nathan in Darmstadt 1993 kehrte er dem Theater ganz den Rücken.
Kurz darauf entdeckten ihn die Frankfurter Stadtwerke als Regisseur für eine Lesereihe an Orten, die der Öffentlichkeit gemeinhin nicht zugänglich sind: Im Wasserwerk, im Straßenbahn-Depot Eckenheim, in der Stadtbahn-Zentral-werkstatt, im Untergrund der Hauptwache inszenierte Nix poetische Liebeserklärungen an Frankfurt oder feierte Goethe mit seiner Kollegin Ursula Illert. Thomas Beckermann und Maria Gazzetti holten ihn ins Literaturhaus.
Vor zwei Jahren ist der Schauspieler in den Unruhestand gewechselt, der ihn mit Knigge und den Brüdern Mann, mit Frisch und Dürrenmatt zwischen dem heimatlichen Nordend, Hamburg und Brüssel umtreibt. „Auf Karriere war ich nie aus, die gemeinsamen Berührungen über die Literatur haben mich immer weitergetragen", beteuert er.

 

und 'Faust Kultur' widmete ihm den folgenden Text

Die Leidenschaft des 1943 in Frankfurt/M geborenen Jochen Nix ist die Literatur und die Suche nach den Räumen, in denen sie sinnlich erfahrbar wird. Der Literatur hat er sich zunächst durch ein Studium an der Frankfurter Universität zu nähern versucht, bis er feststellte, dass er nicht nur einen wissenschaftlichen Zugang zu ihr suchte. Er ging in Frankfurt an die staatliche Schauspielschule und begann 1968 zunächst auf einer Theaterbühne Literatur zu erspielen. Bald wechselte er auch die Seite und drang als Regisseur in den Gesamtraum eines Stückes vor. Dann entdeckte er den ausschließlich akustischen Raum für die Literatur: den Rundfunk. Auch hier arbeitete er neben dem Theater zunächst als Sprecher, dann auch als Regisseur beim BR, HR und NDR und trug dazu bei, für die Präsentation von Literatur neue Wege zu erschließen. Hierzu zählen seine öffentlichen Features (Rundfunkproduktionen, die vor Publikum aufgeführt wurden) und szenischen Lesungen, in denen er geistige und architektonisch besondere Räume zu verbinden sucht. So entstand z.B. in Frankfurt gemeinsam mit den Stadtwerken eine Serie szenischer Lesungen im Wasserwerk Schwanheim, im alten Heizkraftwerk am Main, im Straßenbahndepot Eckenheim, in der U-Bahn-Baustelle Bockenheimer Warte, im Ausbesserungswerk Praunheim und in einem stillgelegten U-Bahn-Stollen unter der Hauptwache. An diesen Orten wurden Licht und Musik zu immer wichtigeren Komponenten bei der Umsetzung der Texte. Heute fasziniert Jochen Nix zunehmend wieder die direkte Begegnung zwischen Vorlesendem und Publikum in selbstentwickelten Lesungen mit und ohne Musiker, oder in gemeinsamen Lesungen mit bedeutenden Autoren fremder Sprachen, denen er eine deutsche Stimme gibt.

Details: www.jochennix.de
1943
Geboren in Frankfurt/Main.
1962
Abitur am Deutschen Gymnasium in Aschaffenburg.
1964-66
Germanistik-Studium an der Universität Frankfurt.
1966
Entschluß, mit Literatur nicht mehr wissenschaftlich, sondern nur noch künstlerisch umzugehen...
1966
Aufnahme in die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/M.
1966-68
Ausbildung zum Schauspieler bei Franz Kutschera, Hans-Georg Laubenthal, Josef Offenbach, Rudolf Krieg, Johanna Wichman.
ab 1969
— '91
Schauspieler mit festen Verträgen
Wichtigste Theater-Stationen
Tübingen, Bonn, Wuppertal, Essen, Bruchsal, Pforzheim, Freiburg, Ulm, St.Gallen, Darmstadt
Wichtigste Theater-Rollen
Mann ist Mann (Brecht): Galy Gay
Der Mann des Schicksals (Shaw): Napoleon
Blick zurück im Zorn(Osborne): Jimmy
Sommernachtstraum (Shakespeare): Lysander
Antigone (Anouilh): Hämon
Kaspar (Handke): Kaspar
Die Gerechten (Camus): Boris
Yvonne (Gombrowicz): Der Prinz
Geburtstagsfeier (Pinter): Stanley
Der König stirbt (Ionesco): Behringer
Nora (Ibsen): Helmer
Don Juan und Faust (Grabbe): Faust
Die Möwe (Tschechow): Trigorin
George Dandin (Moliere): George Dandin
Mephisto (Mnouchkine): Otto
Tote Seelen (Gogol): Tschitschikoff
Dreigroschenoper(Brecht/Weill): Peachum
Käthchen von Heilbronn (Kleist): Friedeborn
Der Prinz von Homburg (Kleist): Hohenzollern
Maß für Maß (Shakespeare): Lucio
Nicht Fisch, nicht Fleisch (Kroetz): Edgar
Cabaret (Masteroff/Ebb/Kander): Conferencier
Flüchtlingsgespräche (Brecht): Kalle
Kabale und Liebe (Schiller): Miller
Die Physiker (Dürrenmatt): Inspektor Voß
Totenfloß (H.Mueller): Kuckuck
Kasimir und Karoline (Horvath): Rauch
Lulu (Wedekind): Schigolch
Die Physiker (Dürrenmatt): Einstein
In der Sache J. Robert Oppenheimer (Kipphardt): Oppenheimer
Yvonne (Gombrowicz): König Ignaz
Frankenstein (Deichsel): Hauptkommissar Lape
Die Minderleister (Turrini): Shakespeare
Mein Kampf (Tabori) Herzl
Wer hat Angst vor Virginia Woolf (Albee): George
Nathan der Weise (Lessing): Nathan
seit 1972
Regisseur am Theater
Wichtigste Theater-Inszenierungen
Ein Eremit wird entdeckt (Saunders)
Die Dame ist nicht fürs Feuer (Fry)
Man spielt nicht mit der Liebe (Musset)
Warten auf Godot (Beckett)
Andorra (Frisch)
Der Hausmeister (Pinter)
Don Juan (Moliere/Brecht)
Armer Mörder (Kohout)
Luise Millerin (Schiller)
Die Kassette (Sternheim)
Der gute Mensch von Sezuan (Brecht)
Promenade (Robinson ) UA
Jakobowsky und der Oberst (Werfel)
Geheime Ehre (Donald Freed) DE
Wer hat Angst vor Virginia Woolf (Albee)
seit 1979
Schauspieler im Fernsehen
Wichtigste Fernseh-Rollen
"Taunusrausch": Heini Regie: Peter Adam Prod. Bavaria/HR (Juli 1979)
"Auf der Suche nach dem Vater": Max Reg. Peter Adam Prod. Bavaria/HR (1980)
"Rummelplatzgeschichten" Helmut Reg. Helmut Kissel TV 2000 (Okt. 82)
"Der Granitkopp" Otto Scholz Reg. Helmut Kissel ZDF (Mai 84)
"Diese Drombuschs" Hauerwiehl Reg. C.P. Witt Trebitsch Prod. (Nov. 84)
"Die Wilsheimer" Eschersheimer Reg. C.P. Witt TV-Serie des HR (Febr.—Juli 86)
"Das runde Ding vom Odenwald" Karl Schrunz Reg. Helmut Kissel ZDF (1987)
"Harmonie" Fritz Nungesser Vorabend-Serie des SWF 5 Staffeln (von 1987—1995)
Reg. Helmut Kissel/Peter Wekwerth/C. Rainer Ecke
"Die Wiederkehr der Engel" Luzifer Reg. Theo Schneider SWF Mainz (Aug. 92)
"Schwarz greift ein" BKA-Mann Hauer Reg. Peter Carpentier SAT 1 (1993)
"Wir hätten in Spiez umsteigen sollen" Der Andere Train-Movie von und mit Peter Bichsel ZDF "Elektronisches Tagebuch" (Juni 96)
"Himmelsheim" Bürgermeister Hannes Lorenz 13teilige Vorabend-Serie des SWF
Reg. C.R.Ecke (März—Juni 1997)
seit 1973
Freier Sprecher beim:
Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, Ulm
Südwestfunk Freiburg, Baden-Baden
Radio Basel,
Bayerischer Rundfunk Nürnberg, 
Norddeutscher Rundfunk Hannover,
Südwestfunk Mainz, ZDF/3 Sat,
Hessischer Rundfunk Frankfurt Hörfunk und Fernsehen:
"Classictop","Filmmusik", "Alternativen", "Mikados", "Abendstudios",
"Wissenschaftsredaktion", "Kirchenfunk","Wissenswert", Lyrik, Hörspiele.
"Bücher, Bücher", "Kinostarts", "City", "Hauptsache Kultur", "Braun-Hogenberg-Städteansichten", "Liebe, Tod und Leidenschaft", "Reisewege zur Kunst", "Nix wie raus" etc.
seit 1991
Rundfunk-Regisseur beim:
Bayerischen Rundfunk Nürnberg
NDR Hannover (seit 1998)
Hessischen Rundfunk (seit 2000)
Features und Hörspiele: u.a.:
"Joseph Martin Kraus /"Vom Schweiß der Sonne und vom Blut der Schafe"
"Wider Weiber und Juristen - Johann Rautenstrauch" von Friedhelm Sikora
"Das vergessene Paradies - Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth und ihr Opernhaus" von Barbara Bogen (1998)
"Vom Reisen als Lust-Gespräche im Orient-Expreß" von Reinhard Knodt (1998)
"Eine Messe für die Stadt Arras" von Andrzej Szczypiorski
"Der Fall Schneider/Schwerte" von Max Ackermann
"Melancholie" (1999) und "Metamorphosen" (2000) von Barbara Bogen
"Der Moment von Iowa" von Michael Zeller (2003)
"Jugend und Unsterblichkeit" von Joseph Berlinger (2003)
"Haste mal'n Euro" von Carlo Schindhelm (2003)
seit 1981
Sprecher in unzähligen Lesungen
seit 1994
Regisseur von Szenischen Lesungen
(Textzusammenstellung/Musikauswahl/Lichtkonzeption)
u.A.:
"Von der Moderne der Renaissance - Europa zur Zeit der Renaissance" von Hermann Glaser im Studio 1 des BR Nürnberg. (Januar 95)
Dasselbe in einer Theaterfassung im Stadttheater Neuburg/Donau (Mai 95)
"Eine Messe für die Stadt Arras" von Andrzej Szczypiorski im Stadttheater Neuburg/Donau (Oktober 95)
Historisches Pumpwerk Hinkelstein, Frankfurt/M-Schwanheim: "Literatur im Wasserwerk - Lesung rund ums Wasser" mit Uschi Illert. Veranstaltet von den Stadtwerken Frankfurt/M.(1996)
1997: "Titanic - oder: woher die Eisberge in unseren Köpfen kommen" von Hermann Glaser in der Tafelhalle Nürnberg. Veranstaltet vom BR Studio Franken) (April 97)
"Der Fürst und die Nachtigall - Pfalzgraf Ottheinrich und die Reformation"von Roland Thiele im Stadttheater Neuburg/Donau (Februar 97)
"Es treibt einen so oder so leicht unter die Räder" - eine bewegte Zeitreise im Straßenbahn-Depot Frankfurt/M-Eckenheim. Veranstaltet von der Stadtwerke Verkehrsgesellschaft mit Uschi Illert. Musik "Linie 4". Zum 125jährigen Jubiläum der Straßenbahn in Frankfurt/M. (1997)
Kesselhaus des Heizkraftwerkes West, Frankfurt/M:
"Jede Nacht aber steckte sie ihn mitten in kräftiges Feuer" - eine literarisch-musikalische Zeitreise durch Feuer und Energie, Wärme und Kälte" mit Uschi Illert und den Musikern der"Linie 4". Veranstaltet von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt. (1998)
U-Bahn-Baustelle Bockenheimer Warte Frankfurt/M:
"Dahin, dahin möchte ich mit Dir..." in den Untergrund der Goethezeit - eine literarisch- musikalische Zeitreise mit JN, Ursula Illert sowie dem Duo Anne Bärenz/Frank Wolff veranstaltet von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt. (1999)
"Sieh nach den Sternen, gib acht auf die Gassen" 2 Stationen in Nürnbergs Stadtgeschichte: "Bewältigungen" von Reinhard Knodt im Westtorbunker Nürnberg (15.07.2000) und
"Daß hinterm Ozean auch noch ein Ufer sei - ein Historical für wartendes und fliegendes Personal" im Flughafen Nürnberg (15.07.2000) (Kooperation mit dem BR Studio Franken)
Stadtbahn-Zentralwerkstatt Frankfurt/M: "Schläft ein Lied in allen Dingen..." Ein optimistisches Requiem auf den alten Adam und die neuen Götter. Mit Usula Illert, Jochen Nix und Mitgliedern des Ensembles Modern. Veranstaltet von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt. (2001)
"Alte Helden" - eine Hommage für den Nürnberger Dichter Gerhard Falkner. Ein ‚Radio-Salon' im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks Studio Franken in Nürnberg. Sprecher: Bodo Primus, Hannes Seebauer, Marco Steeger, Thomas Nunner. Musik: Norbert und Carsten Nagel. (2001)
"Anfang in der Fremde - eine musikalische Erzählung von Bernhard Windisch" im Rahmen der "Radio Salons"des BR Studio Franken. Mit Helmut Winkelmann und den Musikern Juri Kravetz (Akkordeon), Yogo Pausch (Percussion) und André Schulz (Baß) Veranstaltet vom BR Studio Franken (2002).
"Untergrund" der Hauptwache Frankfurt/M: "Nur e Herz, des muß mer habbe..."Liebeserklärungen an eine ungeliebte Stadt. Mit Usrsula Illert u. Jochen Nix. Musik: Cityscape-Trio.Textcollage und Regie: Jochen Nix. Veranstaltet von der Verkehrs- und der Lokalen Nahverkehrs - Gesellschaft Frankfurt. (2002)